kulturcampus frankfurt

der diskrete charme der utopie

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CAMPUS FÜR ALLE!

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Bockenheim ist im Umbruch. Die Universität zieht weg, ein neues Quartier entsteht und wird den Stadtteil grundlegend verändern. Nur wenigen Bestandsgebäuden wird bisher eine Chance auf Erhalt eingeräumt. Investoren werden umworben, während die Projekte, die alternative + emanzipative Wohn- und Lebensformen verwirklichen wollen, einen schweren Stand haben. Der erste Neubau des „Kulturcampus“ hinter dem Bockenheimer Depot setzt Maßstäbe: Es wird vor allem teuer und sozialer Wohnungsbau wird reduziert.

Auf dem zentralen Campus zielt die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG Holding als Eigentümerin in die gleiche Richtung: Das erste verkaufte Grundstück (“Labsaal”) soll nun doch nicht der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst zur Verfügunggestellt werden, sondern wird einem privaten Investor ausgerechnet für den Bau von Büros angeboten - in einer Stadt, die bereits über zwei Millionen Quadratmeter leerstehende Bürofläche hat. Das Gelände wo bis vor kurzem noch der afe-turm kritisches Denken beherbergte wird gerade Investoren für den Bau von Bürohochhäusern schmackhaft gemacht.

Frankfurt braucht nicht mehr Büros, sondern Wohnraum und Freiräume für kritisches Denken und Handeln. Frankfurt braucht Wohnraum, der bezahlbar ist und unterschiedliche Wohnformen ermöglicht. Über zwanzig Gemeinschaftsprojekte haben sich bei der ABG Holding für Wohnen auf dem „Kulturcampus“ beworben. Aber dem Förderverein Roma wird schon jetzt signalisiert, dass es kein Interesse an einer Realisierung seines Wohnprojekts, welches dem zunehmenden gesellschaftlichen Rassismus entgegentreten würde, gibt. Auch dringend benötigter studentischer Wohnraum ist bisher nicht vorgesehen und die Zukunft der bestehenden Wohnheime ist nicht gesichert.
Der Campus Bockenheim steht seit Jahrzehnten für eine Kultur der Selbstverwaltung. Das Studierendenhaus mit dem Café KOZ muss in diesem Sinne erhalten werden.
Auch die Projektgruppe Philosophicum will ein Bestandsgebäude erhalten. Zusammen mit dem Mietshäuser Syndikat soll ein Projekt entstehen, das Wohnraum dem Markt entzieht und in dem 150 Menschen solidarisch, selbstverwaltet und bezahlbar wohnen können. Von hier aus werden vielfältige offene Angebote in den Stadtteil wirken. Doch die ABG fordert einen rein rendite-orientierten Kaufpreis, der jede soziale Nutzung verhindert. Hier wird ein Präzedenzfall für alle weiteren Wohnprojekte auf dem Kulturcampus geschaffen.
Gegen unternehmerische Stadtpolitik! Wir wollen kein zweites Europaviertel!